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12.02.2016rss_feed

Schweineabrechnung soll bei Tönnies geändert werden

Läuft die FOM-Klassifizierung endgültig aus?

Mit gleichlautenden Schreiben hat das Unternehmen Tönnies Mitte vergangener Woche seine Absicht angekündigt, an allen drei maßgeblichen Standorten der Unternehmensgruppe, d. h. in Rheda-Wiedenbrück (Reisinger), dem Unternehmen Weidemark in Sögel sowie am Standort Weißenfels die bisherige Nadelklassifizierungen mit Fat-O-Meter-Geräten schon zum 18.02.2016 einzustellen.


Begründet wird dieser Schritt mit veralteten Nadelklassifizierungsgeräten der Fat-O-Meter-Generation, zu denen es mittlerweile kaum noch Ersatzteile gibt.

 

Wahlweise will man den Einsendern anbieten, die Abrechnung der Schweine entweder nach den Teilstückgewichten des AutoFOM-Gerätes oder nach dem Muskelfleischanteil (MFA-Prozentwerten) durchzuführen. Eine Wahlmöglichkeit zwischen der Bezahlung der Schlachtschweine nach Teilstückgewichten oder der Abrechnung nach dem Muskelfleischanteil soll weiterhin Bestand haben.

 

Seit langem ist bekannt, dass die MFA-Werte nach AutoFOM höhere Werte ausweisen als die bisherige Nadelklassifizierung. Wissenschaftliche bzw. von neutralen Organisationen durchgeführte Untersuchungen liegen derzeit allerdings nicht vor. Im Unternehmen Tönnies geht man intern davon aus, dass der mit dem Auto-FOM Gerät ermittelte Muskelfleischwert um 2 Prozent höher liegt als bei der Ermittlung durch das traditionelle Klassifizierungsverfahren FOM. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wird die bisherige Nadelmaske einfach mit einem Parallelfaktor von 2 Prozent nach oben angepasst. Ob dies tatsächlich für die Erzeuger erlösneutral ist, muss sich in der nächsten Zeit herausstellen. Hier wird sicherlich die Schlachtkörperqualität bedingt durch genetische, produktionstechnische Einflüsse sowie das Sortierverhaltens des Landwirts einen entscheidenden Einflussfaktor ausüben.

 

Nach vorläufiger Bewertung kann allerdings vermutet werden, dass Mastendprodukte aus Duroc-Kreuzungen den erwarteten 2%igen Muskelfleischanstieg nicht erreichen. Landwirten muss vor diesem Hintergrund dringend angeraten werden, sich intensiv mit den neuen Abrechnungskonditionen auseinanderzusetzen, damit keine finanziellen Nachteile entstehen.

 

Die Abrechnung der über das AutoFOM-Klassifizierungsverfahren bewerteten unkastrierten Mastschweine (Jungeber) hat sich ebenfalls deutlich verändert. Hier sind gegenüber der alten Maske, insbesondere die Lachs- und Bauchbewertung verschoben worden. Der Lachs, d. h. das Kotelett ohne Fett und Knochen wird dabei maximal im Optimalbereich zwischen 6 und 7,8 Kilo Teilstückgewicht mit 3,5 Punkten bewertet. Auch bei der Schinkenbewertung haben sich im Detail Unterschiede, in der Regel zu Lasten der Erzeuger ergeben. Extrem schwere Schinken ab Teilstückgewichten von über 19,5 Kilogramm werden nicht mehr so gut bezahlt wie zuvor. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Schlachtschweinevermarktung nochmals unübersichtlicher geworden ist. Jeder Mäster ist gut beraten, sich mit den schon ab Donnerstag, dem 18. Februar 2016 geltenden Änderungen intensiv auseinanderzusetzen bzw. sich über Beratungsorganisationen bzw. Fachanwendungen die beispielsweise über die IQ-Agrar-Service GmbH angeboten werden, über das aktuelle Geschehen ins Bild zu setzen. Die überwiegend kleinstrukturierten Schlachthöfe dürften derzeit noch über keine AutoFOM Klassifizierungsgeräte verfügen, mit denen man ähnliche Abrechnungsmasken erstellen kann. Dennoch werden sie sich ebenfalls Anpassungsreaktionen überlegen müssen. Infolgedessen dürfte die Intransparenz der Abrechnungssysteme am deutschen Schlachtschweinemarkt weiter zunehmen. Besonders unsicher wird die Bewertung dann, wenn möglicherweise in Kürze die neue Generation an FOM-Klassifizierungsgeräten in den kleineren und mittelständischen Schlachtbetrieben zum Einsatz kommt.